Am Samstag den 28.02.2026 hatte ich die Gelegenheit, am Dummy Trainer:inseminar mit Betty Schwieren teilzunehmen. Für mich bedeutete das eine längere Anreise aus Lübeck, aber genau solche Tage sind es, die einen im eigenen Training wieder neu sortieren lassen. Man fährt hin, um Input zu bekommen – und merkt schnell, dass es oft nicht die spektakulären Dinge sind, die einen weiterbringen, sondern das bewusste Wiederholen und Durchdenken der Grundlagen. Gerade wir Trainerinnen und Trainer wissen ja, wie wichtig es ist, sich die Basis immer wieder präsent zu machen.
Ein großer Teil des Tages drehte sich um genau diese Grundlagen. Beim Apport selbst beginnt vieles schon mit der eigenen Haltung, körperlich wie auch mental. Den Hund beim Reinkommen mit echter Freude zu rufen, ihm eine ruhige und aufrechte Präsenz bei der Abgabe zu geben und das Dummy sauber mit beiden Händen abzunehmen – all das sind Kleinigkeiten, die im Alltag schnell selbstverständlich wirken, die aber enorm viel Einfluss
darauf haben, wie der Hund arbeitet. Auch die Routine rund um die Abgabe wurde noch einmal bewusst gemacht: Dummy ruhig abnehmen, den Hund zum Sitzen auffordern, das Dummy wegstecken und erst dann den nächsten Schritt gehen. Solche klaren Abläufe schaffen Ruhe im Team.
Man merkt dabei schnell, dass die eigene Stimmung und Körpersprache viel stärker auf den Hund wirken, als man manchmal denkt. Wenn der Mensch ruhig und klar ist und sich ehrlich freut, kommt auch der Hund gerne und direkt. Wir haben an den uns vorgestellten Teams sehen dürfen, wie viel das Drehen an nur kleinen Stellschrauben für ein Team schon bringen kann.
Auch die Vorbereitung vor dem Schicken spielte eine wichtige Rolle. Der Hund soll wirklich fokussieren, bevor er losgeschickt wird. Gleichzeitig wurde betont, dass Hunde aber auch Fehler machen dürfen. Nur so kann man sehen, wo im Training noch etwas fehlt. Dabei ging es auch um typische Fehlerbilder, die immer wieder mal auftauchen: Unruhe oder Einspringen, Probleme beim Lining, aber auch Themen wie Tauschen oder Knautschen. Wir alle kennen diese Schwierigkeiten aus den eigenen Trainingsgruppen.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Beobachtung und Auswertung der Arbeit einzelner Teams. Wind, Geländegegebenheiten und alte Fallstellen beeinflussten die Arbeit der vorgestellten Hundes teilweise stärker, als man manchmal im ersten Moment wahrgenommen hat. In einer Aufgabe wurde genau das sichtbar: Zwei Markierungen wurden von den Teams auf etwas größere Entfernung gearbeitet. Später griff Betty beide Fallstellen wieder auf und nutzte sie als Bestandteil einer Kombiaufgabe beim Einweisen,
während gleichzeitig eine neue Markierung geworfen wurde, die später eine Verleitung für manche Hunde darstellte. Bettys Aufgaben zeigten sehr anschaulich, wie wichtig es ist, die Rahmenbedingungen bewusst mitzudenken.
Ein schöner Teil des Seminars war das gemeinsame Beobachten der arbeitenden Teams. Wir haben uns bewusst anhand einer einfachen Markierung angeschaut, was in einer Aufgabe passiert, welche Details auffallen und welche Hinweise man dem Team vielleicht geben würde. Hier wurde deutlich, dass die Körpersprache des Hundes sehr viel darüber verrät, was gerade in ihm vorgeht. Den Blick dafür zu schulen ist eine Aufgabe, die uns
Trainerinnen und Trainer dauerhaft begleitet. Dadurch entstand ein sehr lebendiger Austausch über Erfahrungen aus den eigenen Trainingsgruppen und über Schwierigkeiten, die viele von uns aus der Praxis kennen. Wunderbar lebendig moderiert von Betty. Gerade dieser Perspektivwechsel, einmal nicht selbst zu arbeiten, sondern genau hinzusehen ist unglaublich lehrreich.
Für mich persönlich war dieser Tag eine sehr wertvolle Erfahrung. Ich habe viele Gedanken mitgenommen, die weniger mit spektakulären Techniken zu tun haben, sondern mit Haltung, Atmosphäre und Klarheit im Training. Schau hin, denke nach, strukturiere. Man merkt an solchen Tagen auch, dass der eigene Weg sich gerade weiterentwickelt. Besonders angenehm war dabei die Art der Seminarleitung. Betty vermittelte ihr Wissen mit so viel Erfahrung, aber auch mit spürbarem Gefühl für Mensch und Hund. Die Mischung aus fachlicher Klarheit und wertschätzender Atmosphäre machte den Tag für alle Beteiligten sehr angenehm.
Für mich geht das Lernen noch ein Stück weiter. Bei den Stocksee Open Team Days & Friends der BZG Lüneburg darf ich als Steward direkt am Richter mitlaufen und einen Einblick in die Bewertung aus nächster Nähe bekommen. Auf diese Perspektive freue ich mich sehr.
Zum Schluss möchte ich mich auch noch bedanken!
Die Organisation durch die Bezirksgruppe Düsseldorf und René Afflerbach war wirklich hervorragend. Alles lief reibungslos und gleichzeitig in einer sehr angenehmen, offenen Atmosphäre. Besonders beeindruckend war das Trainingsgelände – ein wirklich außergewöhnlich schönes Areal mit vielen Möglichkeiten, in unterschiedlichen Situationen realistisch zu arbeiten. Ebenso vielen Dank an alle Beteiligten, die sich um die Verpflegung gekümmert haben und dafür gesorgt haben, dass man sich rundum gut versorgt fühlte.
Mein besonderer Dank gilt natürlich Betty Schwieren für ein Seminar voller Erfahrung, Klarheit und Herz für die Arbeit mit Hund und Mensch, ich habe so viel gelernt! Und nicht zuletzt danke ich auch allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die vielen netten Gespräche zwischendurch. Gerade dieser Austausch am Rand macht solche Seminartage oft noch einmal besonders wertvoll.
Tina Michelsen
BZG Lübeck Ostholstein
