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Prüfungsberichte

VPS Suchensieger – check

By 5. Oktober 2026No Comments

Zu Gast bei der Deutsch-Langhaar Zuchtgruppe Nordwest

Auf dem Weg zur Prüfung nach Leiferde war ich noch halbwegs beruhigt – auch ob der Wetteraussichten, die mir optimal schienen: warm und trocken. Unter diesen Bedingungen hatten wir auch den ganzen Sommer über geübt und mein Labrador-Rüde Friedo (Springlike Ferris B) beherrschte die Fächer. Außerdem war uns eine Richtergruppe zugeteilt, die es von Anfang an verstand, unser aller Nervosität in Grenzen zu halten, wenngleich bei mir diese Grenzen streckenweise etwas weiter gesteckt waren. Schließlich starteten wir dieses Mal bei einem anderen Zuchtverband mit Prüfungsfächern, die sehr unterschiedliche Anforderungen stellen.

Begonnen wurde mit der Wasserarbeit. Wir hatten die Startnummer 1 und konnten gleich mit dem Stöbern ohne Ente anfangen, Friedos Paradefach. Er hat das riesige Gewässer einmal komplett umrundet: Zuerst hat er das Schilf auf der linken Seite komplett durchstöbert. Dann konnte ich ihn ca. 100 m geradeaus zum gegenüberliegenden Ufer schicken und er hat von dort aus die rechte Seite abgesucht, bis er wieder bei uns ankam.

Dann folgte die Schussfestigkeit im Wasser. Ich führe seit 35 Jahren Jagdhunde und habe jetzt das erste Mal selbst geschossen. Alles war gut, bis beim Aufschultern der Waffe der Riemen gerissen ist und die Flinte im Matsch lag. „Na super, das fängt ja gut an!“ dachte ich noch. Der eine Richter hat sich jedoch gleich bemüht alles in Ordnung zu bringen und ich kam wieder etwas zur Ruhe. Dann folgte die Freie Verlorensuche: Friedo schwamm zielstrebig ins Schilf, als ob er wüsste, wo die Ente lag und war zügig mit ihr wieder bei uns. Über die nun zu arbeitenden Feldfächer gibt es nichts Besonderes zu berichten, alles lief glatt.

Anschließend ging es wieder in den Wald zur Schweißarbeit. Obwohl mein Rüde die letzten Fährten richtig super gearbeitet hatte, hatte ich vor diesem Fach am meisten Bammel. Beim Losen zog ich die zweite Fährte. So hatten wir Zeit noch ein paar Schritte zu laufen (und ich mir nochmal ordentlich Sorgen zu machen). Das erste Gespann bestand, kam zurück und mir war inzwischen so richtig übel. Also habe ich gaanz tief durchgeatmet und los ging’s. Friedo war im Gegensatz zu mir total ruhig und untersuchte den Anschuß viel länger als sonst. Beim Kommando „Zur Fährte!“ zog er, wie erhofft, nur langsam an. Es war die erste blinde Fährte, die ich mit ihm gegangen bin. Bis zur Prüfung hatte ich immer pingelig ausgezeichnet und konsequent darauf geachtet, dass er genau auf der Fährte blieb – bis zum Schluss, selbst wenn er schon Wind vom Stück hatte. Somit konnte ich viel Schweiß anzeigen; die Richter meinten, mindestens 10mal. Friedo hat auch beide Wundbetten sauber verwiesen, wie wir es explizit geübt hatten. Ich konnte immer deutlich erkennen, wenn er nicht mehr auf der Fährte war. Das war dreimal der Fall, was ich dann korrigieren konnte und von ihm gut angenommen wurde. Die Richter waren von unserer Zusammenarbeit jedenfalls sehr angetan.

Danach folgten die Gehorsamsfächer im Wald: Keine Besonderheiten, souverän gelöst, danach die Schleppen im Wald. Natürlich hatte Friedo bei der Fuchsschleppe sein Tun, aber ich war mir 100prozentig sicher, dass er das als 30+kg-Rüde schafft und die Richter waren begeistert, mit wie viel Energie und Selbstverständlichkeit er den starken Fuchs zugetragen hat.
Dann kam die Kaninchenschleppe: Friedo ist zum Stück geflogen, hat das Wild in vollem Lauf aufgenommen, war schon wieder auf dem Rückweg und bei uns.
Anschließend folgte das Buschieren: Es hat super angefangen, dann war Friedo mir doch einmal etwas zu weit und ich habe ein zweites Mal gepfiffen. Das hätte ich vielleicht nicht gebraucht, habe es sicherheitshalber aber doch gemacht. Mit dem einzigen Punktabzug dafür kann ich locker leben.

Als nächstes Fach war das Stöbern dran, also das komplette Gegenteil vom Buschieren. Friedo hat sich beide Male voll auf die jeweilige Arbeit eingestellt, was angesichts des „Kontrastprogramms“ für einen jüngeren Hund wirklich nicht einfach war. Er hat jedenfalls gestöbert, dass sich manch ein Stöberhund eine Scheibe hätte abschneiden können: Systematisch wurde durch ihn das Feld von vorne nach hinten aufgerollt, so dass jeder Richter ihn gesehen hat. Ein Reh hat er auch aus der Dickung gebracht, war auf Pfiff aber sofort wieder da.

Zu guter Letzt kam das Standtreiben. Da habe ich tatsächlich kurz überlegt, ob ich nun mit oder ohne Leine führen sollte (die Nerven!). Geübt hatten wir immer ohne Leine und so habe ich mich dann doch für Letzteres entschieden. Zwar war Friedo angespannter als gewohnt, blieb aber liegen, obwohl ich ja doch etwas ins Schwitzen gekommen war.

Unter welchem Druck ich doch die ganze Zeit gestanden habe, merkte ich erst, als alles vorbei war und wir sogar den Suchensieger im 1. Preis mit 223 Punkten stellen konnten. Mir liefen die Tränen und ich konnte nichts dagegen tun, sie liefen einfach…

Ein richtig hartes Übungsjahr liegt hinter uns, wofür wir nun belohnt worden sind. Jetzt kann die Jagdsaison beginnen und ich hoffe, dass wir nach jedem Jagdtag wieder gesund zu Hause ankommen.

Bei dieser Prüfung ist mir klar geworden, wie schwer es für einen jungen Hund sein muß, diese ganzen doch sehr unterschiedlichen Aufgaben alle richtig zu lösen. Punkte waren mir eigentlich ziemlich egal. Dass wir so gut bestehen würden, freut mich natürlich um so mehr. Ich bin auf jeden Fall zufrieden, schon deshalb, weil wir in einem anderen Zuchtverband gestartet, herzlich aufgenommen worden sind und unsere Rasse leistungsstark präsentieren konnten. Außerdem hat Friedo ein weiteres Mal gezeigt, dass er ein echter Verlaßhund ist, der auch gelassen bleibt, wenn ich oder andere Nerven zeigen. Bei den nächsten Prüfungen werde ich das hoffentlich mehr im Hinterkopf haben.

Dorothea Griesemann mit Friedo