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West

Bericht des V1 zur Mitgliederversammlung der LG West

Eine Mitgliederversammlung ist weit mehr als ein formaler Termin im Vereinsjahr. Sie ist der Ort, an dem Rechenschaft abgelegt wird, Fragen beantwortet werden, an dem gewählt, entschieden und Verantwortung übernommen wird. Sie ist gewissermaßen der Prüfstein dafür, ob ein Verein lebendig ist. Sie ist Ausdruck davon, dass ein Verein, egal ob auf BZG-, LG- oder Bundesebene, nicht „von oben“ geführt, sondern von seinen Mitgliedern getragen wird.

Die Mitgliederversammlung ist das Forum, in dem nicht übereinander, sondern miteinander gesprochen werden sollte. Hier gehören Themen auf den Tisch. Hier können Fragen gestellt werden. Hier kann man Kritik äußern – und hier kann man auch Verantwortung übernehmen. Das ist manchmal der schwierigere Teil.

Denn Kritik zu üben, ist vergleichsweise einfach – dies lässt sich bequem vom Rand aus erledigen; abends auf dem Sofa mit dem Handy in der Hand. Verantwortung zu übernehmen, ist dagegen erfahrungsgemäß weniger beliebt. Verantwortung zu übernehmen bedeutet (viel) Arbeit, hoher Zeitaufwand und -früher oder später- die Erkenntnis, dass Dinge in der Praxis manchmal weitaus komplizierter sind, als sie aus sicherer Entfernung – und teilweise auch ohne das notwendige Hintergrundwissen – wirken.

Zu einem Verein gehören unterschiedliche Meinungen. Kritik ist erlaubt, Kritik ist notwendig. Ein Verein, in dem alle immer derselben Meinung sind, wäre vermutlich nicht harmonisch, sondern schlicht nicht ehrlich.

Kritik kann hilfreich und wertvoll sein: Sie kann helfen, Abläufe zu verbessern, auf Probleme aufmerksam zu machen und uns zwingen, Dinge zu hinterfragen, die wir vielleicht zu lange als selbstverständlich angesehen haben.

Aber: Kritik hat nur dann ihren Wert, wenn sie sachlich ist. Wenn sie ein Ziel hat. Wenn sie nicht nur zerstören, sondern verbessern will.

Eine Mitgliederversammlung gibt uns auch die Gelegenheit, über den Zustand unseres Miteinanders im Verein zu sprechen. Denn ein Verein ist nicht nur eine Ansammlung von Satzung, Ordnungen und Beschlüssen. Ein Verein ist vor allem eine Gemeinschaft von Menschen, die sich aus einem gemeinsamen Interesse heraus zusammenfinden: bei uns die Liebe zu unseren Retrievern, die Freude an Zucht, Ausbildung. Prüfungen und Ausstellungen.

Es gibt in unserem Verein Menschen, die uns in bewundernswerter Ausdauer den Eindruck vermitteln wollen, als sei grundsätzlich alles schlecht – die Organisation, die Kommunikation, die Veranstaltungen, die Entscheidungen. Vermutlich wird demnächst auch das Wetter am Veranstaltungstag kritisiert und entsprechende Verfahren vor dem Ehrenrat angestrengt.

Es gibt Menschen, die zuverlässig jedes Haar in der Suppe finden, selbst dann, wenn gar keine Suppe serviert wurde. Und falls doch einmal etwas gelingt, war es entweder Zufall, Glück oder selbstverständlich – ganz getreu dem Motto „Keine Prügel ist Belohnung genug.“ Anerkennung ist schließlich eine knappe Ressource, mit der man äußerst sparsam umgehen muss.

Nun könnte man sicher darüber schmunzeln, wenn es an dieser Stelle nicht gefährlich für den Verein würde. Denn wer immer nur schlechtredet, trifft nicht irgendeine abstrakte Struktur. Er trifft Menschen. Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, die ihre Freizeit investieren. Menschen, die organisieren, entscheiden, Veranstaltungen auf die Beine stellen, Richten und Helfen – und die am Ende oft diejenigen sind, die noch aufräumen und nachbereiten, wenn andere längst wieder zu Hause sind und kritisieren.

Und genau diese engagierten Mitglieder brauchen wir. Die Landesgruppe West ist eine sehr aktive und lebendige Landesgruppe. Das lässt sich zum Glück nicht nur behaupten, sondern zeigt sich auch an der Vielzahl an Veranstaltungen.

Das alles fällt aber nicht vom Himmel, auch wenn manche offenbar glauben, der Verein und seine Veranstaltungen entstünden durch eine göttliche Fügung.

Nein. Hinter jeder Veranstaltung stehen Menschen. Eben jene Mitglieder, die Verantwortung übernehmen. Mitglieder, die sich kümmern, die nicht nur fragen: „Warum macht das keiner?“, sondern die sagen: „Das mache ich !“ Oder anders gesagt: Menschen, die nicht nur fragen, was der Verein für sie tun muss, sondern was sie selbst zum Vereinsleben beitragen können.

Und dafür möchten ich mich ausdrücklich bedanken:

Mein Dank gilt den Vorständen der Bezirksgruppen, den Sonderleiterinnen und Sonderleitern, den Ausbilderinnen und Ausbildern, den Richterinnen und Richtern, den Reviergebern, den Helferinnen und Helfern und allen Mitgliedern, die mit ihrer Teilnahme und Unterstützung dieses Vereinsleben ermöglichen.

Ehrenamt ist kein Selbstläufer. Es ist auch kein Dienstleistungsverhältnis, bei dem einige wenige liefern und andere anschließend Bewertungen vergeben. Ein Verein lebt nicht davon, dass möglichst viele Ansprüche stellen. Er lebt davon, dass Menschen bereit sind, etwas beizutragen.

Natürlich läuft nicht immer alles perfekt. Wer arbeitet, macht Fehler. Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Wer organisiert, übersieht vielleicht etwas. Wer entscheidet, macht sich angreifbar. Das ist normal. Perfekt sind bekanntlich meistens nur diejenigen, die nichts machen. Dort ist dann auch die Fehlerquote beeindruckend niedrig.

Aber wenn wir als Verein weiterkommen wollen, müssen wir unterscheiden: zwischen berechtigter Kritik und bloßer Stimmungsmache, zwischen Gesprächsbereitschaft und Dauerempörung, zwischen dem Wunsch nach Verbesserung und dem Bedürfnis, Recht zu behalten.

Bevor ich meinen Bericht beende, blicke ich noch einmal zurück auf 2024.

Nach der Neuwahl des Vorstandes habe ich gesagt, dass gerade wir als Hundemenschen die Bedeutung von Kommunikation kennen sollten. Wir wissen, dass Klarheit und Fairness entscheidend sind. Wir wissen, dass man mit Druck allein nie gute Ergebnisse erzielt. Wir wissen, dass Geduld wichtig ist. Und wir wissen, dass ein gutes Miteinander nur gelingt, wenn beide Seiten bereit sind, Signale wahrzunehmen.

Ich habe damals gesagt: Wir müssen wieder lernen, miteinander zu reden und nicht nur übereinander. Und wo wir Gräben vorfinden, müssen wir Brücken bauen.

Zu dieser Aussage stehe ich  weiterhin – aber ich habe auch dazugelernt:

Brücken kann man bauen. Man kann einladen. Man kann Gespräche anbieten. Man kann erklären. Man kann sogar mehrmals aufeinander zugehen. Aber man kann niemanden zwingen, diese Brücke auch zu betreten. Und man kann niemanden überzeugen, der gar nicht überzeugt werden möchte.

Wo nur Vorwürfe erhoben werden, wo nur Misstrauen gepflegt wird, wo Gespräche durch Gerüchte, Desinformation und Diskreditierung ersetzt werden, wird es schwer, gemeinsam voranzukommen.

Vor kurzem habe ich in der lokalen Tageszeitung ein Zitat gelesen – ein britisches Sprichwort:

„Es gibt niemanden, der so blind ist wie der, der nicht sehen will.“

Und manchmal beschreibt genau das die Situation, die wir im Verein erleben. Wer nicht sehen will, sieht auch keine geleistete Arbeit. Wer nicht sehen will, erkennt kein Engagement. Wer nicht sehen will, nimmt keine ausgestreckte Hand wahr. Und wer nicht sehen will, wird selbst in einem vollen Veranstaltungskalender noch den Beweis dafür finden, dass eigentlich nichts passiert – anders lassen sich Anträge an Züchterversammlungen, die auf der Behauptung zu weniger Veranstaltungen basieren, nicht erklären

Wir sollten deshalb unsere Energie nicht ausschließlich darauf verwenden, diejenigen zu überzeugen, die ohnehin nicht hinschauen wollen. Unsere Kraft ist besser investiert bei den Mitgliedern, die mitarbeiten möchten. Bei denen, die Fragen stellen, weil sie verstehen wollen. Bei denen, die kritisieren, weil sie verbessern wollen. Bei denen, die nicht nur Forderungen formulieren, sondern auch bereit sind, selbst Verantwortung zu übernehmen.

Das heißt nicht, dass wir uns Kritik verschließen. Im Gegenteil. Wir brauchen Kritik. Aber wir brauchen sie konstruktiv, sachlich und fair. Wir brauchen keine pauschale Abwertung. Wir brauchen keine Gerüchteküche, keine Desinformation, keine Diskreditierung. Wir brauchen keinen Wettbewerb darum, wer am lautesten beklagen kann, was angeblich alles falsch läuft.

Was wir brauchen, sind Menschen, die mitdenken, mitreden und mithelfen.

Und für die Landesgruppe West können wir sagen: Wir haben viele engagierte Mitglieder. Darauf können wir mit einer großen Portion Selbstbewusstsein stolz sein.

Denn es ist leicht, von außen zu sagen, was alles besser sein müsste. Es ist schwerer, sich hinzustellen und es tatsächlich besser zu machen.

Und am Ende geht es nicht darum, wer am lautesten ist. Es geht darum, wer bereit ist, Verantwortung zu übernehmen.

Für die Landesgruppe wünschen ich mir, dass wir auch weiterhin offen diskutieren, dass wir bei Problemen das Gespräch suchen, Kritik äußern, Leistungen weiterhin anerkennen und auch weiterhin Brücken bauen – dort, wo Mitglieder bereit sind, sie zu betreten.

Und an eines sollten wir uns immer wieder erinnern, warum wir eigentlich hier sind. Wegen unserer Retriever, wegen der Freude an der gemeinsamen Arbeit mit unseren Hunden und wegen eines Vereinslebens, das nur dann funktioniert, wenn viele es tragen.

In diesem Sinne danken ich noch einmal allen, die im vergangenen Jahr nicht nur geredet, sondern gehandelt haben. Allen, die organisiert, geholfen, unterstützt, erklärt und Verantwortung übernommen haben.

Sie sind das Fundament dieser Landesgruppe und unseres Vereins.

Und an alle anderen: Es gibt viele Möglichkeiten, sich einzubringen. Man muss nicht sofort den ganzen Verein retten. Manchmal reicht es schon, beim nächsten Mal einfach mit anzupacken.

Vielen Dank!

René Afflerbach

(V1 LG West)