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Unsere erste JAS – 28.02.2026 in Idsingen

Seit Monaten habe ich mich auf diese JAS gefreut. Für mich war es etwas Neues – ich hatte bislang keinerlei Berührungspunkte mit einer jagdlichen Anlagensichtung. Viele rieten mir im Vorfeld, mich intensiv vorzubereiten. Doch für mich stand von Anfang an fest: Es ist eine Anlagensichtung. Hier soll sichtbar werden, was im Hund steckt – nicht, wie weit ein Trainingsstand bereits ausgearbeitet ist.

Für Hélios war es überhaupt die erste Prüfung. Er ist gerade einmal 13 Monate alt. Wir trainieren viel mit Dummys, sehr strukturiert und regelmäßig, aber mit Schleppwild oder unter Schuss hatten wir bislang nicht gearbeitet. Entsprechend war diese JAS auch für mich eine bewusste Entscheidung: Vertrauen in die Anlagen meines Hundes.

Nervös war ich nicht. Seit Tagen überwog die Vorfreude. Ich wusste, was in diesem jungen Rüden steckt. Die Anreise nach Idsingen betrug rund 130 Kilometer.

Der Wecker klingelte um 5 Uhr, denn unsere Startzeit war für 9 Uhr angesetzt. Zehn Minuten vorher sollten wir vor Ort sein – für mich bedeutet das: 8:30 Uhr bin ich da. Pünktlichkeit schafft Ruhe.

Das Gelände präsentierte sich hervorragend. Hélios konnte sich noch einmal lösen, dann wurden wir von Sonderleiterin Birgit empfangen und den drei Richterinnen und Richtern vorgestellt. Die Papiere wurden geprüft, es entstand sofort ein offenes, angenehmes Gespräch. Natürlich kam auch die Frage nach dem Trainingsstand – nachvollziehbar. Doch mir war wichtig: Heute geht es nicht um Perfektion, sondern um Anlagen.

Verlorensuche im Feld
Die erste Aufgabe war eine Verlorensuche im Feld. Eine Ente wurde ausgelegt, zusätzlich eine Kaninchenschleppe gezogen. Während Hélios in der Suche arbeitete, fielen zwei Schrotschüsse. Er suchte konzentriert, mit tiefer Nase, systematisch. Genau so kenne ich ihn aus dem Training – nur dass hier echtes Wild lag.

Entenschleppe
Im Anschluss folgte eine Entenschleppe. Eine Aufgabe, die ihm sehr liegt. Hélios liebt es, mit der Nase am Boden zu arbeiten. Spätestens hier war deutlich zu sehen, wie ausgeprägt sein Nasengebrauch ist. Er arbeitete ruhig, konzentriert und zielstrebig, nahm die Spur sauber an und brachte die Ente aus größerer Entfernung direkt zu mir. Man konnte förmlich spüren, dass die Richter seine Nasenarbeit sehr genau beobachteten – und zunehmend beeindruckt waren.

Markierung im hohen Bewuchs
Es ging weiter mit einer Markierung im freien Feld. Die Ente wurde in etwa 70 cm hohes Gras geworfen. Nach dem Fallen sollte ich zwei bis drei Sekunden warten, bevor ich Hélios schicke. Er hatte punktgenau markiert. Nach dem Signal ging er ohne Zögern geradeaus, arbeitete sich sauber durch den Bewuchs und brachte die Ente direkt.

Freiverlorensuche
In der anschließenden Freiverlorensuche im hohen Bewuchs sollten Ente und Kaninchen gefunden werden. Hélios arbeitete strukturiert, mit Übersicht. Zunächst brachte er die Ente von der linken Seite, danach das weiter hinten rechts liegende Kaninchen. Für einen 13 Monate alten Hund wirkte er dabei erstaunlich gefestigt. Kein hektisches Umherlaufen, kein Überdrehen – sondern kontrollierte, selbstständige Arbeit.

Wasserarbeit
Die letzte Aufgabe war die Wasserarbeit. Aufgrund der Witterung der vergangenen Monate – die Seen waren bis vor kurzem noch vereist – wurde die Aufgabe fair gestellt. Es ging primär darum zu sehen, dass der Hund schwimmt. Die Ente wurde ins Wasser geworfen. Hélios hatte sie nicht fallen sehen, aber gehört. Genau das hatte ich mit ihm noch nie trainiert. Wasser war für uns bislang eher Ruheort. Eine einzige Dummy-Markierung aus dem Wasser im vergangenen September – das war seine gesamte Erfahrung. Er war zunächst typisch Hélios: kurz skeptisch, suchte den Einstieg, prüfte die Situation. Er hatte den Geruch in der Nase – ich konnte sehen, wie sehr er hinein wollte. Dann kam er zu mir auf die linke Seite. Dort beginnt bei uns jede Arbeit. Und von dort aus ging er. Er schwamm direkt zur Ente, nahm sie sauber auf und brachte sie mir. Die Richter reagierten mit sichtlicher Begeisterung. Es fiel sinngemäß der Satz, genau das wolle man sehen: den Willen und die Überwindung. Für Hélios war das eine prägende Erfahrung. Seit diesem Tag sucht er Wasser mit einer neuen Selbstverständlichkeit.

Offenes Richten
Beim anschließenden offenen Richten am Tisch war ich ehrlich gesagt überwältigt. Die Rückmeldungen waren durchweg sehr positiv. Besonders hervorgehoben wurden sein stark ausgeprägter Nasengebrauch, seine Ausgeglichenheit und seine ruhige Arbeitsweise. Es ist etwas Besonderes, wenn erfahrene Richter solches Potenzial erkennen und benennen. Das bestätigt nicht nur den Hund – sondern auch den gemeinsamen Weg. Als kleine Erinnerung an die Schussfestigkeit durfte ich die Hülsen der abgegebenen Patronen mitnehmen – ein schönes Detail am Rande.

Abschluss
Mein herzlicher Dank gilt den Richterinnen und Richtern Ute von Bothmer, Verena Smulski und Wolfgang Schöning, Sonderleiterin Birgit Kröll sowie der Reviergeberin Andrea Lünebach-Hüner für das tolle Gelände und die Möglichkeit, an dieser hervorragend organisierten JAS teilnehmen zu dürfen. Ich hatte im Anschluss noch Gelegenheit, zwei weitere Gespanne zu beobachten, bevor wir glücklich und zufrieden die Heimreise antraten. Diese JAS war für mich keine Leistungsdemonstration. Sie war eine Bestätigung dessen, was ich in meinem jungen Rüden sehe: Ruhe, Wille, Nase und ein klarer Kopf. Und genau darauf bauen wir weiter auf.

Robert Praksa mit French-Quarter-Friend’s Hélios Fils de Baron

Prüfungsleiter Wolfgang Schöning
Hélios @work
French-Quarter-Friend’s Hélios Fils de Baron

Fotos: Robert Praksa